© Edition Hamouda 2012






Edition Hamouda. Leipzig. Kulturdialog aus erster Hand. Liaisons. Magazin für den Kulturdialog. Leipziger Verlage
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Autoren: August Peters, Ernst Keil, Wilhelm Hey, Franjo Terhart, Georg Schuppener, Mahmoud Messadi, Ghalib Halasa, Gisela  Karau, Eugenie Marlitt, Luise Büchner, Ludwig Bechstein, Nabil Khalaf, Mona Ragy Enayat, Gottfried Silbermann, Boubacar Boris Diop, Marion Rother, Manfred Böckl, Mohamed Turki, Elmar Schenkel, Reza Hajatpour, Laura Feuerland, Frank Kreisler, Eckehard Schulz, Christoph Kloft, Caroline Haas, Thomas Grieser.
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Rezension:

 

29.03.07 ND Literatur
 

Fremde Freunde
Gisela Karau springt über Grenzen 
 
Von Jenny Becker 
 
Die dreizehnjährige Berlinerin Toni in diesem Jugendbuch ist mit dem zwei Jahre älteren Araber Ali zusammen. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, bis die weltgewandte Dolmetschertochter Monique aus Brüssel in ihre Schule kommt. Toni ist neidisch auf den Hauch von Exotik, der Monique umgibt, und wird eifersüchtig, als Ali versucht, sich mit der Neuen anzufreunden – denn sie braucht Freunde, das spürt er. Als Ali aber plötzlich nach Tunesien verschwindet, um einem Familiengeheimnis nachzuspüren, entpuppen sich Moniques Erfahrungen für Toni als sehr hilfreich – und Monique erweist sich als echte Freundin.
»Es gibt keine Fremden, nur Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat«. Gisela Karau, die sich bereits zu DDR-Zeiten unter anderem mit »Der gute Stern des Janusz K.« einen Namen als Jugendbuchautorin machte, hat dieses irische Sprichwort zwischen die Zeilen ihres neuen Buches gewebt. Unter dem Geflecht aus Jugendthemen wie der ersten Liebe, dem Umgang mit Freundschaft und Eifersucht oder den ersten Gedanken über Sex schwingt eine beständige heitere Weltoffenheit in dieser Geschichte mit. Die Eltern von Monique arbeiten für die Europäische Union in Brüssel, während die reiseerfahrene Dreizehnjährige in Berlin zur Schule geht. Ihr Freund ist Schotte und macht gerade ein Auslandsjahr in den USA. Niemanden verwundert es, dass sich eine Dreizehnjährige spontan überlegt, mit ihrer Freundin nach Tunesien zu fliegen, um Ali zu suchen, und die Reise für beide dann auch noch von ihren Eltern widerspruchslos bezahlt wird. Einziger Kommentar des Vaters: »Versäumt nicht, euch Karthago anzusehen – das ist Weltkultur.« Wenn doch alles so einfach wäre im Leben. Doch genau darum geht es.
Interkulturelle Erfahrungen werden hier ganz beiläufig gesammelt, große Konflikte leichtlebig umgangen. Zwar gerät Ali durch seine Entdeckungen in Tunesien in eine Identitätskrise, doch Tonis Liebe und die Freundschaft von Monique helfen ihm fast spielerisch darüber hinweg. Grenzen im herkömmlichen Sinn gibt es in diesem Buch keine, Länder und Kulturen werden zu einem Abenteuer, das von den Jugendlichen als Teil ihres Weges erlebt wird. Doch es wird auch gezeigt, dass dies nicht selbstverständlich ist, und am Ende lernen Toni und Ali selbst die Freiheit ihrer Jugendliebe als großes Privileg zu schätzen.

Gisela Karau: Toni und Ali. Bilder einer Jugendliebe. Edition Hamouda. 146 S., geb., 12 EUR.